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Druckoptimierung & Kalibrierung

 

Ein 3D-Drucker ist kein „Plug & Play“-Gerät – selbst moderne Maschinen benötigen regelmäßige Kontrolle, Feinabstimmung und Pflege. Eine gute Kalibrierung bedeutet nicht nur schöne Drucke, sondern spart auch Material, Zeit und Nerven.
In diesem Leitfaden erfährst du, wie du Schritt für Schritt das Maximum aus deinem Drucker herausholst.

 

Grundkalibrierung – das mechanische Fundament

Die Basis jedes guten Drucks ist ein mechanisch präziser Drucker. Schon kleine Ungenauigkeiten können Layer-Versatz, ungleichmäßige Wände oder Maßabweichungen verursachen

Achsen & Führungen
  • Bewegung prüfen: Alle Achsen sollten gleichmäßig laufen – ohne Ruckeln, Schleifen oder Spiel.

  • Linearlager & Rollen: Bei Rollenführungen (z. B. Creality Ender) darf der Druckkopf leicht, aber spielfrei gleiten Bei Linearführungen (z. B. Prusa, BambuLab) regelmäßig leicht ölen.

  • Führungsstangen säubern: Staub oder Filamentreste mit Isopropanol und fusselfreiem Tuch entfernen.

Wartungstipp

Reinige regelmäßig Führungsstangen, Linear-Schienen und Gewindespindeln, um Staub, Fett und Filamentreste zu entfernen. Anschließend sparsam mit einem passenden Schmiermittel (z. B. Nähmaschinenöl, PTFE- oder Silikonöl) nachölen – das erhält die Laufruhe und verlängert die Lebensdauer deiner Mechanik erheblich.

Riemenspannung
  • Riemen müssen straff genug sein, um kein Nachschwingen zu verursachen, aber nicht so stark, dass sie Lager oder Motoren belasten.

  • Moderne Drucker bieten oft Spannungsanzeige oder Einstellschrauben – ein gleichmäßiger Ton beim Zupfen („Gitarrensaiten-Test“) ist ein gutes Zeichen.

Steps/mm – Maßhaltigkeit prüfen
  1. Drucke einen Kalibrierungswürfel (20x20x20 mm).

  2. Miss mit einem Messschieber in X-, Y- und Z-Richtung.

  3. Weicht der Wert um mehr als ±0,2 mm ab, korrigiere den Steps/mm-Wert in der Firmware oder im Menü.

  4. Wiederhole den Test, bis das Maß exakt passt.

Hinweis

Steps/mm-Werte sind besonders wichtig nach Umbauten (z. B. neuer Extruder oder Riemenrad).

Bettleveling – das A und O der ersten Schicht

 

Eine ungleichmäßige Bett-Höhe führt zu Haftungsproblemen, Warping oder unsauberen Layern.

Manuelles Leveling
  • Bewege den Druckkopf über die vier Ecken des Druckbetts.

  • Lege ein Blatt Papier zwischen Düse und Bett.

  • Justiere, bis das Papier leicht spürbar kratzt – überall gleichmäßig.
     

Automatisches Leveling

Viele Drucker nutzen Sensoren (BLTouch, CR-Touch, LIDAR, Induktivsensoren), um das Bett automatisch zu vermessen.
Trotzdem sollte das Bett mechanisch plan und stabil sein – ein krummer Untergrund kann Software-Compensation nicht immer ausgleichen.


Tipp: Drucke regelmäßig ein Leveling-Test-Pattern – kleine Quadrate über das gesamte Bett – um die Haftung visuell zu prüfen.

Extruder-, Flow- & Retraction-Tunin

Wenn dein Druck Maßabweichungen, Fäden oder Unterextrusion zeigt, liegt das oft am Materialfluss (Flow) oder an der Rückzugsbewegung (Retraction).

Flow-Kalibrierung
  1. Drucke ein einwandiges Rechteck oder Würfel.
    Miss die Wandstärke (Soll = Düsendurchmesser).

  2. Berechne den Korrekturfaktor:

    Neuer Flow = (Soll / Ist) × alter Flowwert.

  3. Passe in Slicer oder Firmware an.

Retraction (Rückzug)
  • Zu wenig Retraction: Fäden und Blobs.

  • Zu viel: Hohlstellen oder Unterbrechungen im Filamentfluss. 
    Teste Schrittweise (z. B. 0,5 mm Schritte) und prüfe die Druckergebnisse.
     

Tipp: Tools wie Teaching Tech Calibration Guide oder 3DPrintBeginner Flow Tests führen dich interaktiv durch alle Parameter.

Temperatur- und Kühlungstests

 

Die richtige Extrusionstemperatur ist der Schlüssel zu sauberem Druckbild, guter Haftung und schöner Oberfläche.

Temperaturturm
  • Drucke ein Modell, das in Schritten von 5 °C steigt (z. B. 190–220 °C für PLA).

  • Beobachte: Schichthaftung, Glanzgrad, Überhänge und Fäden.

  • Wähle die Temperatur, bei der die Balance zwischen Detail und Haftung stimmt.

 

Kühlung
  • PLA benötigt starke Kühlung (80–100 %),

  • PETG moderate (40–60 %),

  • ABS/Nylon eher geringe (0–20 %).
    Zu viel Kühlung kann Layerablösung oder Sprödigkeit verursachen.

Kalibrierungsobjekte & Testmodelle

Regelmäßige Testdrucke helfen, Probleme früh zu erkennen:

  • 20 mm Cube: Maßhaltigkeit

  • Benchy: Allgemeine Qualität, Überhänge, Layering

  • Stringing-Test: Rückzugsoptimierung

  • Temperature Tower: Materialprofil

  • Flow Cube: Wandstärke-Kontrolle

  • XYZ Calibration Cube: Steps/mm Prüfung

Tipp: Viele Slicer (OrcaSlicer, PrusaSlicer, Bambu Studio) bieten diese Modelle integriert oder direkt verlinkt.

Firmware, Treiber & Software

Veraltete Firmware kann Bugs enthalten oder moderne Filamente nicht optimal ansteuern.

Empfehlungen:

  • Prüfe Firmware-Updates beim Hersteller (z. B. Creality Cloud, Prusa3D, BambuLab Community).

  • Notiere Änderungen (Steps/mm, Flow-Werte) vor Updates.

  • Auch Slicer wie Cura, PrusaSlicer, OrcaSlicer regelmäßig aktualisieren – sie bringen neue Profile und Materialdatenbanken mit.

Fazit

Ein sauber kalibrierter und gepflegter 3D-Drucker ist präzise, zuverlässig und langlebig.
Regelmäßige Wartung – vom Reinigen der Führungen bis zur Kalibrierung der Achsen – zahlt sich langfristig aus: Deine Drucke werden konstanter, schöner und haltbarer.

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